„Hallo!“ Fissinor steckte den Kopf zum Fenster hinein. „Kann ich schon reinkommen?“
„He, eigentlich bist du zu früh. Mama kommt noch gute Nacht sagen“, meinte Lisa.
„Aber erst in zehn Minuten! Komm rein“, sagte Lukas.
„Es ist ja nur so früh, weil ich wieder zum Feuerfest muss. Stellt euch vor, ich durfte draußen vor der Höhle schlafen, ganz nahe am Feuer“, erzählte Fissinor aufgeregt. „Mein Großvater hatte Wache, und er hat seinen Flügel ausgebreitet und ich durfte darunter schlafen. Das war vielleicht gemütlich! Ich konnte die ganze Zeit die Flammen und die Funken sehen, und warm war es auch.“
„Klasse, klingt wie zelten“, fand Lukas.
„Was ist zelten?“
„Na, ein Zelt ist eine Art Hütte zum Aufstellen. Die Indianer machen sie aus Häuten, die Eskimos aus Fellen, glaube ich, und bei uns gibt es sie aus Kunststoff, damit es nicht durchregnet“, erklärte Lukas. „Man kann sie ganz klein zusammenfalten, wie dein Großvater seinen Flügel, und überall hin tragen, wo es einem gefällt. Wenn man sie aufstellt, braucht man Stangen und Schnüre, damit sie halten.“
„Wir haben auch eins. Letztes Jahr durften wir damit im Garten schlafen“, erinnerte sich Lisa. „Es war sehr gemütlich als es geregnet hat und die Tropfen auf das Zelt getrommelt haben. Aber ich hatte auch ein bisschen Angst. Da war so ein komisches Geräusch und ich dachte, da kommt jemand. Aber als Lukas nachgesehen hat, war es nur ein Igel.“
„Was habt ihr noch gemacht beim Feuerfest?“ wollte Lukas wissen.
„Vor dem Schlafengehen haben die großen Drachen noch Feuerbilder gemacht. Sie fliegen Kreise und Loopings da, wo der Himmel am dunkelsten ist, und spucken dabei Feuer. Je schneller sie fliegen, desto toller sieht es aus – wie leuchtende Ringe und Blumen und Schleifen. Die Feuerbilder waren so hell, dass man die Milchstrasse und den Großen Menschen gar nicht mehr sehen konnte. Es war fantastisch. Und eines Tages möchte ich das auch können!“ sagte Fissinor sehnsüchtig.
Lukas kramte in einer Schublade. „Vielleicht kannst du das jetzt schon!“ sagte er geheimnisvoll und holte drei graue Stäbchen heraus.
„Oh, Wunderkerzen!“ Lisa war begeistert. Fissinor fand nicht, dass die Dinger besonders aufregend aussahen.
„Hab ich vom letzten Silvester aufgehoben. Kommt mit raus auf den Balkon!“
Draußen gab Lukas Lisa eine Wunderkerze und hielt die anderen beiden daneben. „So, Fissi, zünd sie an, wie die Kerze neulich!“
Zum Glück war es windstill und regnete auch nicht. Fissinor schaffte es schon beim zweiten Versuch. Zu seiner Überraschung erschien aber keine kleine, stille Flamme auf den Kerzen sondern sie fingen an, silberne, knisternde Funken wie Sterne in alle Richtungen zu sprühen. „Hier, nimm!“ Lukas steckte ihm den langen Stiel der einen Kerze in die Schnauze. Nun zeichneten Lukas und Lisa mit ihren Wunderkerzen große Ringe und Schleifen in den Himmel und Fissinor machte es ihnen nach, bis die Kerzen zu Ende gebrannt waren.
„Herrlich!“ jauchzte Fissinor. „Das waren wirklich Wunder-Kerzen!“
„Schnell, Lisa, komm rein! Ich höre Mama auf der Treppe. Tschüss, Fissi! Viel Spaß noch auf dem Feuerfest!“
Auf dem Rückweg zum Feuerfest überlegte Fissinor, was ihm besser gefiel – die großen Feuerringe der Drachen oder die kleinen silbernen mit den Sternen aus den Wunderkerzen. Er konnte sich nicht entscheiden. „Beides macht glücklich“, beschloss er am Ende.

